Eines Tages geriet dieses Foto in den Besitz eines unserer Verwandten. Es zeigt einen Fischdampfer (Fischtrawler) mit dem Namen "von Beckerath". Der Verwandte konnte sich die Herkunft und den Hintergrund der Namensgebung nicht erklären. Neuere Recherchen ergaben jedoch folgendes Ergebnis:

Bauwerft: Schichau Seebeckwerft Bremerhaven
Baujahr: 1953
Auftraggeber und Reeder: Cranzer Fischdampfer AG, Hamburg
Länge: 43,79 m, Breite: 8,00 m, Tiefgang: 4,75 m, 400 BRT

Nach Auskunft eines der letzten Vorstandsmitglieder wurde das Schiff höchstwahrscheinlich zu Ehren eines größeren Aktionärs auf dessen Namen getauft. Heute wissen wir, dass es sich offenbar um Oskar von Beckerath gehandelt hat.

Im Zuge des Niederganges der deutschen Heringsfang-Industrie wurde das Schiff bereits nach 9 Jahren im Jahre 1962 verschrottet.

Bildquelle: Schichau Seebeckwerft Baunummernliste (22) aus http://werften.fishtown.de

web_Fischdampfer.jpg

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Am 26. Juli 1847 verließ die Bark "Hermann von Beckerath", 580 t, unter Capt. Kahle mit rund 290 Passagieren Bremen, um über Rio de Janeiro nach Port Adelaide, Australien zu fahren, wo sie am 15. Dezember 1847, also nach fast 5 Monaten auf See, wohlbehalten ankam.

An Bord befanden sich Auswanderer, Handelsreisende und Ingenieure. Unter den Auswanderern befanden sich auch Winzer und Drucker, die den australischen Weinanbau begründeten bzw. das Druckereiwesen einführten.

Die Passagierliste ist einzusehen unter

tn_port_adelaide.jpg

Nach längeren Recherchen in verschiedensten Museen (Auswandererhaus und Deutsches Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven, Lloyds Register in London und Staatsarchiv Bremen) konnte schließlich das Focke-Museum, Bremen das Geheimnis um dieses Schiff aufklären.

Auftraggeber: Joh. Blähsar, Jacobsstadt, Finnland
Werft: Carlsholms Werft
Stapellauf: Juli 1841
1. Schiffsname: "Veloce"
2. Schiffsname: "Hermann von Beckerath"
Kaufbrief vom: 27.07.1844
1. Seepass vom: 14.07.1847
Letzter Seepass vom: 16.09.1850
Reederei: G. Löhing's Sohn, Bremen
Reeder: Wilhelm Haas
Kapitän: Hinrich Adolf Kahle, Vegesack
Länge: 111 Fuß = 33,83 m
Breite: 32 Fuß/3 Zoll = 9,82 m
Tiefgang: 19 Fuß = 5,79 m
Tragfähigkeit: 208 Commerzlasten à 6.000 Pfund = 624 t

Auf dem nachfolgenden Gemälde (Originalgröße 60 x 40 cm, Besitzer: Focke Museum, Bremen) ist die Bark „Hermann von Beckerath“ deutlich zu erkennen an dem im Topp des Großmastes vorgeheißten Wimpel mit der Aufschrift „“H.v.Beckerath“. Im Topp des Fockmastes befindet sich eine Flagge mit der Aufschrift „231“, am Besanmast in Höhe der Gaffel die charakteristische Bremer Landesflagge sowie im Topp eine nicht näher identifizierbare Flagge, möglicherweise die Kontorflagge der Reederei. Das Schiff läuft mit stark reduzierter Besegelung im Sturm und bei hoch gehender See vor dem Wind. Es sind nur das damals ungeteilte Vormarssegel und das Großmarssegel gesetzt. Alle anderen Segel sind weggenommen, was darauf schließen lässt, dass sich die Windstärke im Bereich um 8-9 Beaufort bewegt. Der Rumpf, der höchstwahrscheinlich aus Holz gefertigt war, zeigt noch die charakteristische „Pfortenbemalung“ in Anlehnung an die früher verwendeten Kanonenpforten. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die „Hermann von Beckerath“ als Handelsschiff zu dieser Zeit aber nicht mehr mit Kanonen ausgestattet gewesen sein. Die Bemalung sollte nur eine abschreckende Wirkung haben. An Deck und in der Takelage ist niemand zu sehen, selbst einen Rudergänger vermisst man. Das ist ungewöhnlich, da die maritimen Maler dieser Zeit meist versucht haben, das Schiff und die Situation möglichst detailliert darzustellen. Auf dem Gemälde sind noch zwei weitere Schiffe zu erkennen, eines davon, offenbar eine Brigg, ganz in der Nähe mit raumem Wind, ebenfalls stark gerefft, ablaufend. Am Horizont sieht man noch ein Segelschiff, einen Dreimaster. Ob es sich um eine Notsituation handelt, kann man nicht erkennen. Das nähere der beiden Schiffe scheint nach der Flagge französischer oder niederländischer Herkunft zu sein. Weitere Details sind nicht zu erkennen. Das Bild wurde 1847 von Anton Lowtzow gemalt.

tn_hermannvonbeckerath.jpg

Über den Verbleib des Schiffes ist nichts bekannt.

Offen ist nach wie vor, wie das Schiff zu seinem Namen kam. Unser Vorfahr, der Bankier und spätere Reichsfinanzminister war nämlich vor 1847 Mitglied des dritten Standes des Provinziallandtages. Ob diese Tätigkeit ausreichte, um seinen Namen einem Schiff zu verleihen, ist fraglich. Erst 1848 wurde er nämlich Finanzminister. Denkbar wäre allenfalls, dass er als Bankier in die Reederei investiert hatte. Das wäre zu der Zeit, als die Reedereien unter dem zunehmenden Ansturm von Auswanderern boomten, eine einleuchtende Erklärung.

Im nur für Familienmitglieder zugänglichen Bereich (aus copyright-Gründen) befindet sich ein ausführlicher Reisebericht in Form eines Briefes einer Passagierin an die Ehefrau des Kapitäns. Dieser Reisebericht beschreibt auch sehr eindrucksvoll die Zustände auf einem Auswandererschiff.

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Auch in Speisekarten findet sich der Name von Beckerath!

Natürlich begegnet einem der Name von Beckerath auf Schritt und Tritt in der Stadt Krefeld. Nicht nur, dass es eine von-Beckerath-Straße und einen von-Beckerath-Platz gibt, darüber hinaus sind Hinweise auf unsere Vorfahren in Archiven der Stadt, im Kaiser-Wilhelm-Museum, in Büchern über die Krefelder Mundart und an vielen anderen Stellen zu finden.

So auch auf der Speisekarte der Gaststätte "Nordbahnhof", in der der letzte Familientag begann.

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