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Rudolf von Beckerath
geb. 18.2.1907 in München, gest. 22.11.1976 in Hamburg, war ein weltbekannter Orgelbauer
Vater: Willy von Beckerath (28.9.1868 – 10.5.1938)
Mutter: Luise (Lulu) von Beckerath geb. Schultz (1.7.1872 – 3.12.1958)

Rudolf von Beckerath stammte aus einer Künstlerfamilie. Großvater Rudolf war ein Freund des Komponisten Johannes Brahms, sein Vater Willy von Beckerath war Maler und Musiker, die Mutter Pianistin. Von seinem Vater Willy stammen u.a. die berühmten Brahmsbilder. Das Haus der Großeltern Rudolf und Laura geb. Deus stand und steht in Rüdesheim am Rhein, wo oft mit Brahms musiziert wurde.

Im Jahre seiner Geburt siedelten die Eltern nach Hamburg um, wo Rudolf aufwuchs, die Schule besuchte und sich zunächst für den Beruf des Maschinenbauingenieurs entschied.

Unter dem Eindruck der Zeugnisse norddeutschen Orgelbaus, vor allem der Orgeln von Arp Schnitger, brach er seine Lehre ab und beschloss, Orgelbauer zu werden. Als vorbereitende Ausbildung erlernte er auf der Landeskunstschule in Hamburg Kunst- und Möbeltischlerei und betrieb dabei im Selbststudium die theoretischen Grundlagen des Orgelbaus. Im Keller des Elternhauses baute er eine kleine Hausorgel, die bei Konzerten und einer im Hause Beckeraths veranstalteten Radiosendung erklang.

Zur endgültigen Ausbildung ging Rudolf auf Empfehlung von Hans Henny Jahn nach Frankreich und trat im Januar 1929 in die Orgelbauanstalt von Victor Gonzales in Chatillon-sous-Bagneux bei Paris ein, weil dort noch mechanische Schleifladen gebaut wurden.

Er schrieb: „Man verstand noch etwas vom Bau mechanischer Trakturen. Obwohl damals schon die Abkehr von dieser Bauweise erkennbar war, so war doch das handwerkliche Können noch vorhanden…..Die alte, mechanische Traktur, also die starre, über Winkel und Wellen geführte Verbindung zwischen Taste und Pfeifenventil, arbeitete nicht nur ohne Zeitverzögerung, sie tut viel mehr als das, sie erlaubt nämlich mittels differenzierten Anschlags den Anlaut der Pfeife, ihren Einschwingvorgang, zu beeinflussen.“

Nach nicht ganz 2,5 Jahren Ausbildung ging Rudolf für 1 Jahr als Intonateur zu Frobenius & Co in Lyngby bei Kopenhagen. In dieser Zeit arbeitete er selbstständig beim Bau der großen Orgel in der Frauenkirche in Kopenhagen.

1931 rief ihn die französische Firma nach Paris zurück. Er wurde Teilhaber und die Firma Gonzales übernahm ein Patent von ihm.

Er schrieb: "Meine Aufgaben erstreckten sich damit auf die Mitführung des Betriebes. Beim Auf- und Ausbau des noch verhältnismässig jungen Unternehmens habe ich weitgehend mitgearbeitet. So wurde die Fabrikation von Labial- und Zungenstimmen, die vorher von auswärts bezogen wurden, von mir neu eingerichtet, eine Schlosserwerkstatt angegliedert und verbesserte Arbeitsmethoden eingeführt. Daneben selbstständiges Wirken in Entwurf und Konstruktion. Als sich 1935 die politischen Verwicklungen immer deutlicher abzeichneten und sich insbesondere deutschen Firmen in Frankreich bzw. französischen Firmen mit deutschen Teilhabern gegenüber ein gewisser Boykott bemerkbar machte, so dass geschäftliche Einbußen eintraten, entschloss ich mich nach freundschaftlicher Vereinbarung meine vertragliche Bindung zur Firma zu lösen."

Im Jahre 1936 kehrte Rudolf von Beckerath nach Deutschland zurück und übte die Tätigkeit eines freiberuflichen Sachberaters für Orgelbau in Hamburg aus. Die Tätigkeit umfasste Planung, Konstruktion und Bauleitung bei Neubau, Umbau und Wiederherstellung von Orgelwerken. Ab 1938 übte er gleichzeitig in Berlin eine amtliche Tätigkeit als Sachverständiger für das Orgel- und Glockenwesen aus.

Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft kehrte er zunächst in seine Geburtsstadt München zurück, wo seine Familie inzwischen wohnte. Dort wirkte er bei der Planung und Sachberatung des Orgelneubaues in der Hofkapelle der Münchner Residenz mit und erhielt von der Landeskirche Hannover 1946 den Auftrag, alle noch vorhandenen Denkmalsorgeln in ihrem Bereich aufzunehmen, zu vermessen und zu beschreiben.

Gleichzeitig unternahm er Anstrengungen, um sich als Orgelbauer selbstständig zu machen. Er kehrte wieder nach Hamburg zurück und musste, um sich niederlassen zu können, die Meisterprüfung nachholen, welche es in Frankreich nicht gab, in Deutschland aber Vorschrift war. 1949 konnte er dann seine eigene Firma errichten.

Gleich die erste große Orgel für die Hamburger Musikhalle mit 59 Registern, 4 Manualen, Schleifladen und mechanischer Spieltraktur war 1951 ein bemerkenswerter und aufsehenerregender Neubau. 1955 baute Rudolf von Beckerath die aus 4724 Pfeifen bestehende Orgel in der Hamburger St. Petri-Kirche. Andere Orgeln folgten.

Sein Bestreben von Anfang an war es, möglichst viel selbst herzustellen. So wurden schon 1949, basierend auf seinen Erfahrungen in Frankreich, die Rohrwerke in eigener Fertigung hergestellt. Unter stetiger Vergrößerung von anfangs 6 Mitarbeitern wurde 1956 eine Pfeifenwerkstatt eingerichtet und alle Labialpfeifen selbst hergestellt.

Eine geographische Ausweitung erfolgte ab 1957 mit dem Bau einer 4-manualigen, rein mechanischen Orgel für Cleveland/USA, was dort ein absolutes Novum darstellte. Das größte Instrument wurde 1960 mit 78 Registern und 5 Manualen, ebenfalls mit mechanischer Spieltraktur, für Montral/Kanada gebaut. (Die moderne Technik, bis hin zur Elektronik, so Beckerath, sollte der Registersteuerung dienen!).

Heute stehen Beckerath-Orgeln in vielen Ländern, so außer in den USA und Kanada in Australien (Sydney), Kroatien (Dubrovnik), Südafrika (Kapstadt), in Japan (Kyoto, Tokyo u. a. Städten), in Polen (Nova Huta), in Indien (Bombay), in Russland (Krasnodar) und in Frankreich (Paris).

Eine weitere, wichtige und interessante Aufgabe war für ihn das Restaurieren von alten Orgeln. Hier seien unter vielen nur die berühmten Arp-Schnitger-Orgeln in Steinkirchen (Altes Land) bei Hamburg genannt.

1976 starb Rudolf von Beckerath. Der Betrieb wurde und wird u.a. von alten Mitarbeitern - so zunächst von seinem sogenannten "Orgelsohn" Timm Sckopp - weiter geführt. Heute haben die deutschen Kirchen kein Geld für Neubauten. Dafür boomt das Geschäft im Ausland (90 % der Aufträge).

Der Orgelbauer Rudolf von Beckerath hat u.a. über die historische Entwicklung geschrieben: "Eine spezielle Entwicklung machte die Orgel im nordeuropäischen Raum seit der Reformation durch. Unter dem Einfluß des besonders vom Luthertum geprägten, protestantischen Chorals erhob sie sich aus der dienenden Funktion des Begleitinstrumentes zur selbstständigen Künderin des Gotteswortes. So, glaube ich, muss man das Choralwerk Bachs, seiner Vorgänger, Zeitgenossen und auch Nachfahren verstehen."

Und an anderer Stelle über die Orgel: "Es ist schwer, über den Klang etwas zu sagen, da hier natürgemäß Fragen des Geschmacks hineinspielen. Vielleicht lassen sich aber die grundsätzlichen Fragen des Klanges so umreissen: Man lasse jede Pfeife natürlich und locker sprechen, wie es sie kraft der für sie gewählten Masse und Form kann und will. In der Ordnung der Pfeifenreihen zueinander setzt das wohldurchdachte Proportions- und Reihenmasse voraus. Das ist bei der Planung die eigentlich schöpferische Arbeit des Orgelbauers. Hat er dabei eine glückliche Hand, so wird die Antwort das sein, was die Menschen seit Jahrhunderten an diesem Instrument fasziniert hat: Strahlender Glanz, unvergleichlicher Wohllaut, Würde und Majestät des Klanges."

Dass Rudolf von Beckerath die schöpferische Begabung, die hier gefragt war, besaß, ist heute nicht nur der Fachwelt bewußt. Wir dürfen stolz auf diesen Namensträger sein, der Meister der Orgelbaukunst war.

Das Unternehmen in Hamburg hat den Namen des Gründers behalten.